Blog-Zug

Dienstag, 1. Januar 2013

Sauerei an Silvester

Mahlzeit!
Erst einmal ein frohes neues Jahr in die Runde. Ich hoffe, bei Euch war es genauso ruhig und schön wie bei uns. Wir haben uns – was bei uns ja schon fast Tradition ist – daheim ein richtig gemütliches Silvester gemacht. Diesmal mit einem Fondue, Gummibärchenorakel und Bleigießen. Alles Sachen, die mir bislang nicht so richtig geläufig waren. Wirklich! Ich und Bleigießen? Zwei Welten treffen aufeinander, sage ich nur.
Und nicht zuletzt habe ich mich ja auch die letzten drei Wochen hier vom Blogschreiben ferngehalten, was unter anderem damit zusammenhing, dass mein Freund Kalle in Urlaub war. Und ich habe zwischendurch immer mit ihm telefoniert, somit bin ich ja über seine Erlebnisse bestens informiert. Nur vorgreifen wollte ich nicht und da ich ja ständig über andere Leute rede, hätte ich mich dahingehend sicher nicht zurückhalten können … ich denke jedenfalls, er wird sich auch kurzfristig bei Euch melden.
Aber von vorne. Die Vorbereitungen für unser familiäres Silvester waren eigentlich sehr schön. Meine Traumfrau und ich, wir haben Fleisch fürs Fondue besorgt, ebenso die Zutaten für das parallel aufgefahrene Käsefondue. Jaja! Bei uns gab es beides und ich muss sagen, ich war abends hellauf begeistert. Jedenfalls vom Essen …
Die Arbeitsschritte in der Küche, die aus „Fleisch in mundgerechte Häppchen zerteilen“ und „Gemüsebeilagen wie Paprika und Tomaten in Dippform bringen“ bestanden, haben wir uns fair geteilt. Da bei meiner Traumfrau Tiere entweder leben oder gebraten sein müssen, wenn sie sie in die Hand nimmt, wurde mir die ehrenvolle Aufgabe zuteil, die fürs Fondue geplante Hähnchenbrust zu zerkleinern. Das war eigentlich ganz einfach, jedoch war ich mir aufgrund der Größe dieses Fleischklopses nicht sicher, ob es sich wirklich um ein Hähnchen oder vielmehr um einen geklonten Truthahn handelte. Da ja nun im vergangenen Monat die Außerirdischen NICHT die Macht über die Erde übernommen haben, hatte ich schon gemutmaßt, dass es sich um eine von ihnen bei der Planung des Angriffs fälschlicherweise in einer ALDI-Kühlabteilung zwischengelagerte Essensration für die ersten drei Schlachtschiffbesatzungen gehandelt haben könnte. Aber nach einigen fachmännischen Schnitten meinerseits hatte ich den außerirdischen Flattermann – beziehungsweise seine Brust – in irdische Häppchen aufgeteilt.
Irgendwann, so gegen sieben Uhr abends, glaube ich, fingen wir dann auch mit dem Speisen an. Meine Traumfrau hatte wirklich ein opulentes Mahl geschaffen. Ich wusste gar nicht, dass so viele Teller, Schüsseln, Flaschen plus die passenden Bestecke gleichzeitig bei uns in der Küche Platz finden können. Nicht zu vergessen die mit siedendem Fett gefüllte Fonduevorrichtung fürs Fleisch und auch noch das Käsefondue als solches. Ganz nebenbei auf diesem Wege noch ein dickes „Danke“ von mir und der ganzen Familie an meine Traumfrau – du bist Spitze!!!
Tja – und dann kam es, wie es kommen musste. Ich bin, was Fondues und den Umgang damit angeht, nicht wirklich geübt. Also habe ich bei dritten oder vierten Mal „Fleisch auf die Gabel stecken, damit es ins Fett kann“ die Fonduegabel so elegant und voller Elan geführt, dass sie mit einem Schwung durch das Fleisch durch mitten in meine linke Handinnenfläche traf. Ich wundere mich jetzt noch über mich selber, dass ich nichts, aber auch absolut gar nichts sagte. Allerdings muss mein Blick Bände gesprochen haben. Ich habe blitzschnell beide Hände unter dem Tisch versteckt und meine Traumfrau hilfesuchend angeschaut, als ich mir die Gabel wieder rauszog. Die war natürlich heftig erschrocken, verlor aber keineswegs die Fassung sondern meinte, wohl mit Rücksicht auf die fröhlichen Kinder: „Taschentücher sind im Schrank neben dir. Ob wir Heftpflaster haben, weiß ich jetzt nicht …“
Ich selber wunderte mich nur, dass ich Schmerzen nicht im INNEREN der Hand verspürte, nämlich da, wo die Fonduegabel sich den Weg hinein gesucht hatte, sondern vielmehr auf der Rückseite der Hand. Da, wo sie beinahe wieder herausgekommen wäre. Da stellt sich nun die Frage, wo genau in der Hand Sehnen und Nerven gelagert sind. Zumal ich eine Stunde später einen Küchenstuhl hochhob und dabei das Gefühl hatte, mir würde jemand den Arm abreißen. Aber wollen wir nicht jammern, kommen wir zum lustigen Teil des Abends  - dem Bleigießen.
Eigentlich ist es ja ganz einfach: Man erhitzt Blei in einer Art Löffel über einem Kerzenlicht, kippt es in eine Schüssel mit Wasser, nimmt das Ergebnis heraus und versucht, etwas aus dem was man geschaffen hat, zu erkennen und dann mithilfe von Erklärungen aus Tabellen und Büchern (heutzutage auch dem Internet) seine Zukunft zu lesen. Letzteres mache ich übrigens oft – jedesmal wenn ich den Lottoschein abgebe, lautet der Standardsatz „Das klappt eh nicht mit dem Sechser …“
Und ich behalte Recht – also kann ich da schon mal eine hundertprozentige Trefferquote vorweisen!
Bleigießen gestaltete sich da schon etwas schwieriger – zumindest für mich. Nachdem unsere drei Kinder (7, 10 und 11 Jahre alt) ihre Figuren gegossen hatten und auch unsere Freundin Caro problemlos Ihre Zukunft vor sich liegen sah, nahm ich den Löffel mit meiner Zinnfigur in die Hand. Vielleicht hätte ich aus den Zinnfiguren nicht ausgerechnet das Schwein wählen sollen. Wie auch immer – die Figur weigerte sich, auf dem Löffel aufs Schmelzen zu warten und fiel mitten ins Stövchen, das wir für diesen Zweck aufgebaut hatten. Zwar neben die Kerze, aber genau so unglücklich, dass wir sie nicht problemlos herausbekamen.
Trotzdem – nachdem wir es geschafft hatten, wagte ich einen zweiten Versuch. Mit dem Resultat, dass die blöde Sau diesmal mitten in die Kerzenflamme fiel. Kerze aus – Sau klebte im Wachs fest. Der zweite Befreiungsversuch war wieder erfolgreich und natürlich ließ ich nicht nach, jetzt erst Recht nicht! Ich lass mich doch von einem Zinnschwein nicht aus der Fassung bringen, nachdem ich schon ein Attentat einer Fonduegabel überlebt habe …
Also Schwein wieder auf den Löffel, Löffel wieder über die Kerze. Und was passierte? Nichts. Geschlagene fünfzehn Minuten wartete ich darauf, dass das Zinn schmelzen würde. Als ich schon darüber nachdachte, der Sau eine Miniaturkarotte in den Mund zu stecken, um ihr zumindest eine optische Daseinsberechtigung zu geben, ließ sie sich dazu herab, zumindest einen Teil des Zinns herzugeben. Das goss ich schließlich ins Wasser, um zu sehen, was die Zukunft für mich parat hielt. Allerdings bin ich mir immer noch nicht sicher, ob das, was da raus kam, ein preußisches Wappen oder ein kleiner Elefant mit Schnabel sein soll. Ergo kann ich es auch noch nicht deuten.
Dafür hat mir das Gummibärchenorakel an dem Abend prophezeit, dass ich aus meinen Fähigkeiten nun endlich richtig was machen werde. Das ist doch mal klasse, oder? Ich habe auch gleich angefangen – die Bleifigur liegt auf meinem Schreibtisch, die Gummibärchen sind gegessen und der erste Blogeintrag in diesem Jahr verfasst. Und alles Weitere müssen wir abwarten …
In diesem Sinne: Nochmals ein frohes und gesundes neues Jahr!