Blog-Zug

Donnerstag, 29. November 2012

Das Runde muss ins Eckige ...

Frühstück. Nicht das erste seit unserem Umzug, aber sicherlich eines der interessantesten. Schließlich kam meine Traumfrau heute früh auf die Idee, sich zu einem Kaffee auch selbstgebackene Croissants zu wünschen. Das war in diesem Fall kein Problem, da sich von einem No-Name-Hersteller noch eine aufzuschlagende Rolle sogenannte „Knack-und-Platsch“ – Aufbackcroissants in unserem Kühlschrank befanden. „Platsch“ deswegen, weil es mir noch nie gelungen ist, eine solche Rolle, ganz gleich ob Markenhersteller oder nicht, so wie in der Werbung zu öffnen. Ich brauche nur den Zipfel der äußeren Folie anzuschauen und die Verpackung springt mir komplett unkontrolliert entgegen. Samt Inhalt, versteht sich.
Das war auch heute Morgen nicht anders. Aber mittlerweile nehme ich derartige Dinge mit viel Humor. Ärgern ist anders. Auch wenn mein blödes Gesicht in so einem Moment bei Anwesenden immer wieder für Gelächter sorgt. Insbesondere bei meiner Traumfrau, die dann auch nicht umhin kam, meine Art, die Rohlinge mit Streukäse und Schinken zu verzieren, ein wenig zu kommentieren.
Das wiederum ließ mich für einen Moment darüber nachdenken, einen Schinken-Käsesmiley auf einem der Croissants zu erstellen. Aber ich ließ es dann doch, um Zeit zu sparen.
Aus diesem letzteren Vorhaben wurde dann aber doch nichts, denn irgendwie kam nun die Frage auf, warum ich denn beim Wickeln der Backstücke bei der breiten Seite anfangen würde.
Ich versuchte es, ruhig und besonnen zu erklären. Denn für meine ruhige und sachliche Art bin ich ja hinlänglich bekannt. Somit dozierte ich, wie in besten Zeiten im Mathematikunterricht, über die breiten und schmalen Seiten eines Blätterteigdreiecks und die dazugehörigen Spitzen.
Diese, also die Spitzen, gehören bei einem echten französischen Croissant, ja nun einmal nach oben. Also, eine zumindestens. Ergo beginne ich bei einer schmalen Seite des Dreiecks mit der Wicklung, um dann, unabhängig von der Füllung, bei der gegenüberliegenden Spitze auszukommen. Ob dabei das Croissant beziehungsweise dessen Rohmasse nun wirklich aus Frankreich kommt oder es sich möglicherweise um einen Schwarzwälder Nachbau handelt, sei dahingestellt, hat aber auf die endgültige Form und Zubereitung keinerlei Auswirkung. Zumal, so sinnierte ich derweilen, es ja auch italienische Abkömmlinge gibt, wie zum Beispiel den Croissant Diavolo, Croissant Funghi oder den berühmten Calzone-Croissant.
Das sorgte wiederum für besorgte Ausdrücke auf den Gesichtern der beiden anwesenden Damen, also meiner Traumfrau und unserer Freundin Caro. Dabei ist doch hinlänglich bekannt, dass die Italiener um 200 a.D. erst aus Mangel an Blätterteig die einfache Variante, also die Pizza, quasi als Ersatz entwickelten. Aber bei allem Fachwissen und vorhandener Kernkompetenz bei meiner Frau – geschichtliche Hintergründe liegen ihr einfach nicht so. Dafür hat sie ja mich.
Um dann aber dem ganzen auch noch die Krone aufzusetzen, wurde ich gefragt, warum denn die Rohlinge immer als Dreiecke produziert würden. Denn, so meine Traumfrau, schließlich könne man ja problemlos auch von einem Viereck eine Spitze nehmen und diese wickeln, um dann einen formschönen Croissant zu bekommen.
Ja, Schatz, das geht natürlich. *liebguck* Aber warum, um alles in der Welt, willst du denn die ganzen dreieckigen Teigformstücke wieder zusammensetzen, damit es wieder Vierecke gibt?
Dass Frauen aber auch immer SO kompliziert sein müssen …
Ich wünsche Euch jedenfalls ein unkompliziertes Wochenende.
Bis neulich!