Blog-Zug

Sonntag, 28. Oktober 2012

Fünf Sterne

Mahlzeit.
Meine Lieben, ich koche. Auf der einen Seite leidenschaftlich am Herd, auf der anderen Seite vor Wut. Genaugenommen kann ich im Moment nicht sagen, welche der beiden Hälften in meiner Seele derzeit den größeren Platz für sich in Anspruch nimmt. Dabei hat alles damit angefangen, dass ich im Internet mal wieder auf der Suche nach neuen Rezepten war.
Und diese Suche führte mich auf die Homepage eines bekannten Star-Kochs, der mehr Sterne vorzuweisen hat als mancher General der Bundeswehr. Bei denen ist ja bekanntlicherweise die Küche SO schlecht auch nicht. Wobei es ja die alte Faustregel gibt: Je schlechter das Essen, umso besser das Militär. Ich habe immer noch den Mitbewerber um einen Platz als Offiziersauszubildender beim Marinestützpunkt Wilhelmshafen vor meinem geistigen Auge, der – wohl auch wissend um diese Faustregel – sich das Sauerkraut in der Kantine in den Hals schob und vor sich hinmurmelte „Ich wusste gar nicht, dass es um die Bundeswehr SO gut bestellt ist …“
Gut, heute sieht das alles etwas anders aus und die Bundeswehr besteht ja praktisch nur noch aus Freiwilligen, von daher hat sich die Essensqualität sicherlich auch verändert. Die Köche beispielsweise arbeiten dort ja mittlerweile auch freiwillig. Und Frauen gibt es dort heutzutage auch (was nun wiederum nicht zwangsläufig heißt, dass das Essen dort besser geworden ist). Aber eigentlich wollte ich ja auf was ganz anderes hinaus …
Um nun abwechslungsreich und gut zu kochen, suche ICH halt schon mal Rezepte im Internet und wurde da heute, also, ich sage mal: teilweise fündig. In der Rezeptdatenbank des eingangs erwähnten Sterne-Kochs finde ich vieles, was mich interessiert und was gut klingt.
Beispielsweise „Blutwurst-Kartoffel-Taschen auf Nashi-Schalotten-Ragout“. Blutwurst kenne ich noch von früher. Und meine Traumfrau ist ja „en kölsche Kind“ – die MUSS das einfach mögen. Auch wenn der Gesamtname dieses Rezeptes etwas japanisch klingt, schaue ich mal rein und lese: „Weißer Bio Malabar Pfeffer“. Habe ich leider gerade nicht im Haus, ebensowenig wie feines Kalahari Salz. Himalaya Salz hätte ich da oder das vom Discounter um die Ecke, 500 Gramm für 19 Cent. Letzteres schmeckt einfach nur nach Salz und die Kalahari-Wüste liegt nun geografisch leider nicht direkt neben dem Himalaya. Ergo kann ich das auch nicht nehmen. Also ein anderes Rezept.
„Bratwursttorte mit Sauerkraut und Röstzwiebeln“. DAS klingt doch klasse. Aber STOP: Da soll ich 200 Gramm getrocknete Linsen zum Blindbacken nehmen. Ich bin Brillenträger – das langt mir eigentlich und außerdem kommen Linsen bei mir in die Suppe. Geht also auch nicht.
Als ich dann im dritten Versuch noch lerne, dass ich Stampfkartoffeln nicht stampfe, sondern durch eine Presse zu pressen habe und das noch mehrmals, ich auch hier wieder das Wüstensalz nehmen soll und außerdem nicht Milch, sondern halbfest geschlagene Sahne unterrühren muss, gebe ich auf.
Ich will doch nur kochen – mein Studium der Mathematik hätte ich dafür nicht abbrechen müssen. Zum Glück kocht heute Abend meine Frau. Pfannekuchen mit Schinken und Käse. Ich selber mache mich gleich mal schlau, wie eigentlich die Leberwurst in den Naturdarm kommt, dann mache ich wenigstens was Vernünftiges.
Und möglicherweise frage ich mal bei der Bundeswehr nach, ob da noch ein Catering-Service gesucht wird. Ob dann die Streitkräfte sich verbessern, wenn ich den Job da habe, wird sich dann zeigen.
Mahlzeit
 

1 Kommentar:

  1. *lach* - werf die ganzen Rezepte in den Müll.
    Koch wie das Mama machte.
    Ich habe ein Kochbuch geschrieben, (nur für meinen Mann)ihm das in die Finger gedrückt und das kochen war dann seine Aufgabe.
    Er kochte die Linsensuppe nach MEINEM Rezept, was sagte die halbflügge vorlaute Tochter von damals
    "süßen" sechszehn, bei Papa schmeckt es viel besser. TUSCH"
    Ich kochte auch - ohne Strom ;-)


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