Blog-Zug

Dienstag, 11. September 2012

Den Nachbaa sein Sheriff

Leute, wat für’n Tach. Gezz sindwa mitti Renowiererei bei den Micky zumindestens mitti Vorabeiten soweit fettich, datt die Handwerka da gezz allet dat machen können, watt wir selber nich hinkriegen. Also, meinetwegen gezz die Fussböden. Raus hamwa se gekricht, nur mit dem neue reinmachen, dat iss sonne Sache. Ich waa zwa schon imma son bissken handwerklich dabei, aba imma nur so für mich, kwasi. Ich waa ja unter Tage un da hamwa ja mehr rausgekloppt als reingesetzt.

Auf alle Fälle habbich dat mit mein Freund Reinhard gemacht. Also, die Böden inne Küche un inne Kinderzimmer raus, un der Teppichbelach auffe Treppe konnte sich auch vonne Welt verabschieden.
Nicht, datt ich nix mehr inne Aame hab, abba ich kann euch sagen, als wir damit fertich waan, da hamwa aba auch gemerkt, dattwa nich mehr die jüngsten sind. Beide Aabeit hamwa bestimmt ziemlich bescheuert ausgeseehn. Wie so zwei Frührentner nach einen Kneipenbesuch. Weil, den Reinhard, datt iss auch son stattlichen Kerl um die Fuffzich, aba wohnt seit ewich un drei Tage bei seine Mama. Will bei den mitte Liebe nicht klappen. Nur beide Mama, da wohnter halt im Keller, un weil dat bei denen zuhause son bissken verbaut iss, geht der die Treppe zu seine Sutterenn-Kaschemme immer son bissken gebückt. Unn weil der dat schon dreissich Jahre so macht – also bücken, wenner in seine Wohnung geht – sieht der draussen wenner woanders oder auffe Strasse iss, auch nich besser aus. Auffen Wech vonne S-Bahn bis zu dat Haus hin waa ich froh, datwa keinen Hut beihatten, sonns hätten die Leute uns unterwechs noch Geld reingeworfen. Weil, der ging imma gebückt mit zwei Reisetaschen unterm Aam unn ich selba inne Jogginghose. Fehlte eigentlich nur noch sonne Zeitung mit „Erwachet“ drauf, unn wir hätten uns anne Strasse stellen können.

Aba worauf ich eigentlich raus wollte, dat sind die Nachbaan von neeman. Da iss auffe linke Seite son älteret Ehepaa, nich mehr ganz jung abba noch ziemlich frisch inne Birne. Dat iss da kwasi den Dorfsherrif mit seine Vertretung. Wobei die Frau von die beide iss mehr den Sherrif un ihr Mann die Vertretung. Sie iss üba allet, wat inne Strasse so vor sich geht, bis ins letzte informiert. Wennze wissen willz, ob von gegenübba bei die alleinstehende morgens um vier imma noch der Freund sich aussen Haus schleicht, musse dat die Sherrif-Frau fragen, die weiss dat. Ihr Mann, also ihre Vertretung, sacht immer nur dann wat, wenn er daaf oda wenn man ihn gezielt wat fragen tut. Kukkt dann aba ärss auf seine Olle, ob die ihm dat reden auch erlauben tut.

Ja, unn auffe annere Seite von dat Haus, da wohnt sone nette Dame, die waascheinlich den Joopie Heesters seine Grossmutta sein könnte. Also vom Alter her, mein ich. Iss ne ganz nette, aba sowat von neugierich, da fällt dich nix mehr ein. Hat mich doch tatsächlich mit „Sie habbich ja lange nich gesehn“ gestern begrüsst. Dabei waa ich nur zwei Tage nich da. Kommt aba imma mit ne Kanne Kaffe umme Ekke un hat imma dann, wenn se mich sieht, rein zufällich gerade ne Tüte Spekulazius aufgemacht. Und erzählt mich dann, wer hier vor vierzich Jaare allet gewohnt hat un wer da noch von leben tut un wer eben nich.

Wisster, wenn ich dann so bei mich kukk, also da, wo ich selba wohn in Essen – da geht mich dat eigentlich gaa nich so gut. Den Herbert un den Taumvatta Jupp, dat sind so Kumpels, die ich irntwie bald geeden Tach seh. Aba dat iss, weil wir Kumpels sind. Un wir kennen uns ja schon seit ewige Zeiten.
Aba wo ich mit meine Helga wohnen tu, also in son Hochhaus mit sechzehn Familien, da iss dat nix mitti Nachbaan. Da kennt den einen den andern nich. Un wenn uns da ma wat passieren tut, die Helga un mich, dann interessiert dat keine Sau. Uns finden se ärss, wennet anfangen tut zu stinken.
Un wenn ich mich dat so überleegen tu, dann beneide ich den Micky un seine Frau um die neuen Nachbaan. Denn manchma iss dat gaa nich so schlecht, wenne son Sherrif nebenan wohnen hass.
Vielleicht solltet Ihr auch ma son Blikk nach euere Nachbaan werfen, wennerse zwei, drei Taage nich geseehn habt. Denkt ma drüber nach.
Bis die Tage
 
 

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