Blog-Zug

Samstag, 9. Juni 2012

Glück im Sonderangebot

Mahlzeit.

Meistens bin ich ja derjenige, der kaum ein ernstzunehmendes Haar an egal was auch immer lässt. Ich liebe es, zynisch zu sein, ich mag Sarkasmus und Ironie ist normalerweise mein zweiter Vorname.

Aber manchmal überkommt es mich doch und ich befasse mich mit Dingen, die es nicht verdient haben, durch den Kakao gezogen zu werden. So auch heute. Ich saß hier vor dem virtuellen Papier und habe mir überlegt – was ist eigentlich Glück?
Blöde Frage? Nein, durchaus nicht. Wer von Euch kann mir denn darauf eine Antwort geben? Ich selber habe in den letzten Monaten eine Menge Zeit gehabt, darüber nachzudenken und habe mir diese auch genommen.

Meine kleine Tochter, mit der das Schreiben bei mir ja nun einmal angefangen hat, ist mittlerweile kurz vor sieben. Für die, die jetzt nicht wissen, was ich meine: Sie hat in zwei Monaten Geburtstag. Und das wird uns, gerade in den letzten Tagen, immer wieder klargemacht. So oft, wie sie meine Frau und mich daran erinnert, ist es genaugenommen unmöglich, es zu vergessen. Natürlich vergessen Eltern NIE die Geburtstage der Kinder. Ehemänner vergessen ja auch nie den Hochzeitstag. Niemals.
Ehefrauen hingegen – also zumindest die, die ich kenne – kämen schließlich auch nie auf die Idee, Samstag nachmittags zu Zeiten der Bundesligafernsehflatrates die besten Freundinnen zum Kaffeekränzchen nach Hause zu holen. Oder?

Das Erinnerungsvermögen von Mädchen im Wachstum scheint mir da um einiges besser zu sein als von Erwachsenen – wenn ich alleine daran denke, welche alleinstehenden Kaugummiautomaten mir von meiner Tochter bei uns im Umfeld genannt werden können; auch die Versprechen, die ich ihr, was Freizeitgestaltung in den letzten Monaten gegeben habe und die wir bislang noch nicht gemeinsam einlösen konnten, hat sie so etwas von penibel im Kopf, dass mir schon öfter in der letzten Zeit die Schamesröte zu Kopf stieg.

Wobei – Männer sind in Sachen passenden Ausreden den Frauen gegenüber durch regelmäßiges Training klar im Vorteil – manche Dinge, die wir uns vorgenommen haben, mag ich einfach alleine schon wegen der möglichen Folgen nicht wirklich durchziehen. Da ist beispielsweise die Fahrt im Doppeldeckerbus. Kann man bei uns machen, muss man aber nicht. Abgesehen davon, dass die Abfahrtzeiten am Hauptbahnhof nur zweimal täglich und das zu unmöglich Zeiten sind (11 Uhr morgens = mitten in der Nacht, 15:30 Uhr = „um die Zeit mag ich gar nicht draußen sein“), ist die Aussicht auf 120 Minuten Rundfahrt durch unsere schöne Stadt Essen, eingepfercht in eine zweistöckige Sardinendose, ohne Toiletten, dafür aber mit weiblichen Kegelclubs im Alter 50+ und einem dauerquengelnden fast-siebenjährigen Britney-Spears-Verschnitt alles andere als erquickend.
Also habe ich es bislang geschafft, mit mehr oder weniger schlüssigen Argumenten zumindest diesem Höllenritt zu entgehen.

Umso mehr bin ich nun in zwei Monaten gefordert, wenn der wichtigste Tag des Jahres ansteht, der bereits erwähnte Geburtstag meiner Kurzen. Ich muss mir dieses Mal etwas wirklich ungewöhnlich-außergewöhnlich-besonderes einfallen lassen. 
Superkallifragilistischextraalligorisch, sozusagen. Und ich bin auch schon dabei. Allerdings kann ich Euch nicht verraten, was es wird. Denn zum einen: Meine Tochter kann schon lesen und WENN sie zufällig meinen Blog liest, ist die Überraschung hinne.
Zum anderen: Meine Frau kann auch lesen und sie LIEST diesen Blog. Ich will da nun niemanden in die Schusslinie bringen, aber WENN meine Frau mal eine schwache Minute hat –und unsere Tochter kann sehr gut für solche Minuten sorgen – dann muss ich mir wieder etwas anderes überlegen.

Aber vielleicht habt Ihr aus den paar Zeilen die Antwort für meine Eingangsfrage gelesen. Glück ist eine Familie, eine Frau die man liebt (oder eben ein Mann), ein Sohn, eine Tochter. Vielleicht auch einfach der Beruf – wenn er denn das ist, was der Wortstamm hergibt: eine Berufung. Oder ein Moment in der Nacht auf Eurem Balkon, wenn es schüttet wie aus Eimern und Ihr mit Eurem Partner in den Himmel schaut.
Wenn einer von Euch meint, er müsse mit den Kindern das tun, was er selber als Kind nie konnte oder durfte – dann bitte. Was soll Euch davon abhalten? Wer über 40 ist und glaubt, er mache eine gute Figur auf einem Schaukelpferd, der soll sich nicht durch entgeisterte Blicke der umherschwirrenden Schlipsträger davon abhalten lassen.
Und für alle die, die es, weil sie es nicht besser verstanden haben, immer wieder versuchen: Ihr könnt es nicht kaufen.

Mahlzeit!

Kommentare:

  1. Moin Micky aus dem Norden ...
    Danke für diese, so nachvollziehbare Schilderung
    des ganz normalen Alltagsglück.
    Ich lese das gerade lächelnd bei der ersten Tasse Kaffee, so darf der Sonntag vergnügt weiter gehen.
    Für mich ist Glück - ein völlig normaler Tag.
    Diesen wünsche ich dir und den Menschen, die dein Glück sind.
    Tschau - man liest sich
    "Christa unterwegs ..."

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  2. Hallo Christa, lieben Dank für Deine netten Worte. Ich werd mir Mühe geben, Dir künftig auf diese Art noch den einen oder anderen positiven Tagesbeginn zu gönnen ...:)Ganz lieben Gruß aus Essen
    Micky

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