Blog-Zug

Mittwoch, 23. Mai 2012

Der Zusammenhang zwischen Kaffeemaschine und Linienbus

Ja, die Woche ist um und da sind wir wieder. Eine Woche mag lang erscheinen, aber leider fehlt mir die Zeit für einen täglichen Beitrag. Und trotzdem bekomme ich mit dem Wort "Zeit" die Kurve zum heutigen Blog.
Zeit und die Kaffeemaschine. Wie war das damals, als wir den Kaffee noch per Hand aufgeschüttet haben? Na? Wer kann sich erinnern? Ein Plastikaufsatz, in den eine Papiertüte gesetzt wurde, dann Kaffeepulver hinein und mit nicht mehr ganz sprudelnd kochendem Wasser aufgefüllt - mmmm!!! Sonntags war der "Filter" aus dem guten Porzellan an der Reihe, aber IMMER nahm Oma die guten Filtertüten in der rot-grünen Verpackung. Und später, als ich eine kleine Junggesellenbude hatte, schwor mein damaliger bester Freund, den ich schon aus der Schule kannte und der mittlerweile mein Nachbar war, auf die Zugabe einer Prise Zimt.

Damals wie heute wurde der fertige Kaffee in eine Thermoskanne umgefüllt - früher, weil der Kaffee in der guten Aufbrühkanne nicht heiß blieb, heute, weil Kaffee nach einer Stunde auf einer heißen Automatenplatte einfach nicht mehr schmeckt. Wobei ich aus Erfahrung sagen kann, dass Kaffee aus einem Billig-Handfilter ein ganz anderes Aroma entfaltet als aus einem Hightechkaffeevollautomaten.


Sei es drum. Ich hatte vor ein paar Wochen ein interessantes Gespräch mit einem der vielen Linienbusfahrer bei uns im Kreis. Ich muss dazu sagen, dass meine Frau und ich aus vielerlei Gründen die öffentlichen Verkehrsmittel als Zubringer an alle möglichen Orte nutzen. Von daher haben wir immer wieder Kontakt zu den aus aller Herren Länder kommenden Fahrern. Es ist schon das eine oder andere Mal ein echtes Erlebnis, sein Leben einem Busfahrer anzuvertrauen, der die Prüfung zur Erlangung der entsprechenden Fahrerlaubnis offensichtlich entweder

1. in der sibirischen Tundra unter schwersten Winterbedingungen
2. mitten in Paris zur Hauptverkehrszeit
oder
3. vor 1955

erlangt hat.

Jeder, der regelmäßig mit einer der Verkehrsverbundlinienbusse fährt, wird mich sicherlich verstehen.
Denn: Fahrer, die unter Punkt 1 fallen, mögen zwar zu Winterzeiten einen gewissen Sicherheitsbonus für die Fahrgäste bedeuten, da sie mit den Widrigkeiten von Eis und Schnee vertraut sind, legen allerdings ab dem Tag, da es keinen Schnee und kein Eis mehr gibt, ein auf einmal freigesetztes Formel-1-Gen an den Tag. Es hat schon etwas von Wagemut, sich mit zwei Einkaufstrollies, drei vollgepackten Tüten und zwei überdrehten Kindern in ein überfülltes Transportmittel zu setzen, das sich mit Lichtgeschwindigkeit von Haltestelle zu Haltestelle bewegt. Dabei scheint es extrem wichtig zu sein, direkt nach dem Türeschließen an der Abfahrthaltestelle Vollgas zu geben, um zu schauen, wieviel der Stehplätze man noch freischaffen kann, wenn sich ältere Leute mit einem gezielten Sprung nach hinten auf den Schoß der jüngeren Leute zu sichern versuchen.

Die "Punkt 2 Fahrer" sind da ganz anders geschult. Sie schaffen es tatsächlich, durch jede noch so kleine Lücke mit ihrem 28-Tonnen-Geschoß hindurchzukommen. Dabei spielt es keine Rolle, ob aus einem parkenden Auto im Moment des Vorbeiziehens vielleicht noch eine junge Mutter ihr Kind herauszuholen versucht - junge Mütter sind im Allgemeinen ja sehr sportlich und wo hat man schon einmal die Möglichkeit, dies der Öffentlichkeit durch einen dreifach eingesprungenen Rittberger auf der Motorhaube eines PKW vorzustellen? Es ist schön, dass die Verkehrsverbunde bei den Personalplanungen gezielten Wert auf soziales Miteinander legen.

Letzte Kategorie: die "Dreier".Also diejenigen, die ich mit "Fahrerlaubnis vor 1955 erteilt" in meiner kleinen Übersicht angesprochen hatte. Das ist nun ein ganz besonderer Typ Busfahrer, bei denen auch spezielle Arbeitsplatzbedingungen herrschen. Schliesslich setzt der Zeitpunkt der Erteilung der Fahrerlaubnis auch ein aktuelles Mindestalter für den Prüfling voraus. Das wiederum bedeutet für uns Mitreisenden heute, dass am Steuer jemand sitzt, den wir, was Strassenverkehr im Allgemeinen betrifft, höchstens noch mit "Essen auf Rädern" in Verbindung bringen würden.
Sicher - seinerzeit, als es noch so war, dass ein einziger VW-Käfer an einer Strassenkreuzung schon für einen Menschenauflauf sorgte, da konnte sich ein Busfahrer  noch als Kapitän der Strasse fühlen. Heute aber schmunzele ich etwas amüsiert, wenn ein solcher Veteran einer - zugegebenermassen - nicht mehr ganz jungen Dame nach einer Fahrpreisdebatte etwas hinterherflüstert, was ähnlich klingt wie "Olle Schabracke, stell mal dein Hörgerät etwas lauter ..."

Das ist in etwa wie ein kleiner Kampf zwischen Not und Elend. Wobei Elend meistens am Steuer sitzt.
Alles in allem ist das gar nicht so schlecht mit unseren öffentlichen Verkehrsmitteln, ich will ja nicht nur meckern. Als ich übrigens das besagte Mal mit dem Linienbusfahrer dieses interessante Gespräch hatte, das ich eingangs erwähnte, ging es um Fussball. Und wir haben dabei einen Kaffee zusammen getrunken. Aus einer Thermoskanne gefüllt in zwei Plastiktassen. Mit Zimtaroma.

Bis nächste Woche!

Micky Dearest









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